Orte der Erinnerung 1933-1945

Orte der Erinnerung 1933 - 1945

Gedenkstätten, Dokumentationszentren und Museen
zur Geschichte der nationalsozialistischen Diktatur
in Berlin und Brandenburg
16.08.2010

Veröffentlichung der Haftakte von Peter Seele

Haftakte von Peter Seele wird nach fast 60 Jahren erstmals in der Gedenkstätte Leistikowstraße Potsdam gezeigt


Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Presseinformation 32/2010
Oranienburg, 12. August 2010

Ab Samstag, 14. August 2010, präsentiert die Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße in ihrem Besucherzentrum eine neugestaltete Vitrine mit sowjetischen Dokumenten zum Schicksal von Peter Seele. Er war im Frühjahr 1952 mehrere Wochen im Untersuchungsgefängnis des Militärgeheimdienstes in
der Potsdamer Leistikowstraße inhaftiert. Gezeigt werden Kopien von Verhörprotokollen und vom Verhaftungsbeschluss sowie Peter Seeles originaler Personalausweis, der ihm bei seiner Verhaftung 1951 abgenommen wurde.

Die nun erstmals präsentierten Dokumente stammen aus der Haftakte des NKWD und lagen fast 60 Jahre im Archiv des ehemals sowjetischen und heute russischen Geheimdienstes in Moskau. Im Frühjahr 2010 erhielt Peter Seele die ausgestellten Dokumente aus Moskau zugeschickt, nachdem er mit Hilfe der Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Akteneinsicht beim Archiv des russischen Geheimdienstes FSB beantragt hatte. "Dieser Dokumentenfund, den wir nun der Öffentlichkeit präsentieren, zeigt, dass sich unsere intensiven Recherchen lohnen" so Dr. Ines Reich, Leiterin der Gedenkstätte. "Die Dokumente enthalten für die Betroffenen wichtige Informationen zu ihrem Verfolgungsschicksal und liefern uns wertvolle Erkenntnisse und Exponate für die künftige Dauerausstellung", sagte Reich. Einige ehemalige Häftlinge haben bereits Dokumente aus ihren Haftakten zur Verfügung gestellt, die von den wissenschaftlichen Mitarbeitern der Gedenkstätte ausgewertet werden konnten, weitere Zeitzeugen haben Anträge auf Akteneinsicht gestellt.

Peter Seele, geboren am 27. Oktober 1928 in Mühlhausen (Thüringen), lebt seit seinem 7. Lebensjahr in Potsdam. Auf Grund einer Denunziation wurde er am 9. Oktober 1951 durch den sowjetischen Geheimdienst verhaftet. Nach der Untersuchungshaft im MGB-Gefängnis Lindenstraße und im Gefängnis in der Villa Ingenheim in Potsdam verurteilte ihn ein sowjetisches Militärtribunal am 5. Januar 1952 wegen angeblicher Spionage zu 25 Jahren Haft. Bis zu seinem Transport nach Workuta saß er von Februar bis März 1952 im Gefängnis Leistikowstraße. Nach drei Jahren Zwangsarbeit im sibirischen Bergbau wurde er am 22. Dezember 1955 nach Deutschland entlassen. Seine Rehabilitation erfolgte am 25. August 2000.

Mit der neugestalteten Ausstellungsvitrine im Besucherinformations­zentrum setzt die Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße ihre im Dezember 2009 begonnene Reihe fort. Sie gibt anhand von einzelnen biografischen Schicksalen erste Einblicke in die derzeitige Forschungs- und Sammlungstätigkeit auf dem Weg zu der neuen Dauerausstellung, die im Sommer 2011 eröffnet werden soll.
 
Die Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam kann samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr im Rahmen von Führungen besichtigt werden, die jeweils zur vollen Stunde beginnen. Gruppen, vorwiegend Schulklassen, können die Gedenkstätte mittwochs nach Voranmeldung besuchen.

 

11.08.2010

6. Ravensbrücker Generationenforum

Jugendliche und Ravensbrück-Überlebende treffen sich zum 6. Ravensbrücker Generationenforum


Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Presseinformation 30/2010
Oranienburg, 10. August 2010


Vom 14. bis 17. August 2010 treffen etwa 40 deutsche und slowakische Jugendliche mit Überlebenden des KZ Ravensbrück in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Ravensbrück zusammen. Im Mittelpunkt des von der Dr. Hildegard Hansche Stiftung und der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück bereits zum sechsten Mal veranstalteten Ravensbrücker Generationenforums stehen intensive Gespräche und Begegnungen der Jugendlichen mit den Ravensbrück-Überlebenden Batsheva Dagan (Jahrgang 1925) aus Israel, Dr. Eva Bäckerová (Jahrgang 1940) und Peter Havaš (Jahrgang 1935) aus der Slowakei, Margrit Rustow (Jahrgang 1925) aus den USA und Galina Gisbrecht (Jahrgang 1939) aus Weißrussland.

Die Begegnung zwischen Jugendlichen und Überlebenden wird durch thematische Angebote ergänzt, die die Geschehnisse am Ort des ehemaligen
Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück aus verschiedenen Blickwinkeln näher beleuchten. Vorgesehen sind unter anderem Workshops zu den Themen "Kinder im Konzentrationslager", "Männerlager Ravensbrück" sowie eine Führung durch die Ausstellung "Im Gefolge der SS" zur Geschichte der Aufseherinnen in Ravensbrück. Außerdem stehen ein Stadtrundgang zum Thema "Fürstenberg und das KZ", eine Bootsfahrt und eine Fahrradexkursion zum Ort des ehemaligen "Jugendschutzlagers Uckermark" auf dem Programm.

Darüber hinaus werden Jugendliche das Generationenforum medial dokumentieren. Die Ergebnisse werden auf der Website der Gedenkstätte unter www.ravensbrueck.de zu sehen sein.

Das "Ravensbrücker Generationenforum" wird von der Dr. Hildegard Hansche Stiftung, deren Stifterin selber Ravensbrück-Überlebende war, finanziert und von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft und dem Landesverband Berlin-Brandenburg des Deutschen Jugendherbergswerks unterstützt.


Hinweis für die Medien

Die Eröffnungsveranstaltung am 14. August um 16 Uhr im Besucherzentrum steht Medienvertreterinnen und -vertretern offen. Die Gespräche zwischen den Jugendlichen und den Überlebenden werden als "closed shops" durchgeführt, um eine vertraute und geschützte Gesprächsatmosphäre zu sichern.


Verantwortlich:
Dr. Horst Seferens
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
Heinrich-Grüber-Platz I 16515 Oranienburg
T +49 3301 810920 I F +49 3301 810926
seferens(at)stiftung-bg.de I www.stiftung-bg.de

04.08.2010

Ausstellung über Berlin im Nationalsozialismus in der Topographie ab 25. August

Die dritte Dauerausstellung des Dokumentationszentrums wird ab 25. August in den Ausgrabungen entlang der Niederkirchnerstraße zu sehen sein: „Berlin 1933-1945. Zwischen Propaganda und Terror”.  Die Ausstellung thematisiert die historische Rolle Berlins als Hauptstadt des „Dritten Reichs”.

 

03.08.2010

Sommer-Workcamps in der Gedenkstätte Sachsenhausen

Junge Menschen aus drei Kontinenten nehmen an den Sommer-Workcamps der Gedenkstätte Sachsenhausen teil.

Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Presseinformation 28/2010
Oranienburg, 2. August 2010


Am heutigen Montag beginnt in der Gedenkstätte Sachsenhausen das erste von zwei Workcamps, an denen in diesem Sommer insgesamt 30 junge Menschen aus 16 Ländern teilnehmen werden. Sie werden sich jeweils drei Wochen lang am historischen Ort mit der Geschichte von Sachsenhausen beschäftigen, sich bei der Pflege der Gedenkstätte engagieren, Exkursionen zu Berliner Gedenkstätten unternehmen und gemeinsam ihre Freizeit verbringen. Die Workcamps werden in Kooperation mit der Vereinigung Junger Freiwilliger (VJF) durchgeführt, einem in Berlin ansässigen Verein, der Workcamps und Freiwilligendienste in aller Welt organisiert.


Bis heute abend werden die Teilnehmer des ersten Workcamps, die aus Armenien, China, Italien, Japan, Kanada, der Slovakischen Republik, Spanien, Taiwan, der Tschechischen Republik, der Ukraine und aus Deutschland anreisen, in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Sachsenhausen "Haus Szczypiorski" erwartet, wo sie bis zum 20. August untergebracht sein werden. Das zweite Workcamp mit Teilnehmern aus Armenien, Israel, Japan, Portugal, Rumänien, Südkorea, der Tschechischen Republik, der Türkei, der Ukraine und Deutschland, wird vom 20. August bis 7. September dauern.


Neben der inhaltlichen Arbeit stehen Pflegearbeiten im Bereich der individuellen Gedenkzeichen sowie im ehemaligen KZ-Sonderlager, das 1946 bis 1950 als "Zone II" Teil des sowjetischen Speziallagers war, auf dem Programm. Außerdem werden die Teilnehmer beider Workcamps Gelegenheit haben, sowohl einen ehemaligen Häftlinge des Konzentrationslagers als auch des sowjetischen Speziallagers kennenzulernen.


"Wir freuen uns, dass in diesem Jahr erstmals zwei junge Menschen aus China an den Workcamps teilnehmen, und sind gespannt auf interessante Gespräche und Diskussionen mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus aller Welt, auf ihre Fragen, Erwartungen und Eindrücke", sagte Stiftungsdirektor Prof. Dr. Günter Morsch heute zum Auftakt der Sommer-Workcamps in Oranienburg.

 


Verantwortlich:

Dr. Horst Seferens
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
Heinrich-Grüber-Platz I 16515 Oranienburg
T +49 3301 810920 I F +49 3301 810926
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22.07.2010

Trauer um Jaroslav Vrabec

Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Presseinformation 27/2010
Oranienburg, 22. Juli 2010

 

Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten trauert um den ehemaligen Häftling des Zuchthauses Brandenburg und des Konzentrationslagers Sachsenhausen, Jaroslav Vrabec. Wie erst jetzt bekannt wurde, verstarb Jaroslav Vrabec am 20. Juni 2010 im Alter von 89 Jahren in seiner Heimatstadt Ostrava (Tschechische Republik). Als Vertreter der Häftlinge des Zuchthauses Brandenburg in der NS-Zeit im internationalen Beirat der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten engagierte er sich seit April 2008 für die Schaffung einer zentralen Gedenkstätte in Brandenburg/Havel.


"Noch im April hat Herr Vrabec an den Veranstaltungen anlässlich des 65. Jahrestages der Befreiung in der Gedenkstätte Sachsenhausen teilgenommen und eine Woche später aus dem gleichen Anlass im ehemaligen Zuchthaus Brandenburg eine eindrucksvolle Ansprache gehalten", sagte Stiftungsdirektor Prof. Dr. Günter Morsch heute in Oranienburg. "Sein plötzlicher Tod ist für mich und die Mitarbeiter der Stiftung unfassbar und erfüllt uns mit tiefer Trauer", sagte Morsch.


Der 1921 in Doubrova in der damaligen Tschechoslowakischen Republik geborene Jaroslav Vrabec erlernte das Bäckerhandwerk. Weil er nach dem deutschen Einmarsch Informationen ins Ausland lieferte und Flugblätter verteilte, wurde er am 27. Oktober 1939 von der Gestapo verhaftet und 1940 vom Volksberichtshof in Berlin zu einer zweieinhalbjährigen Zuchthausstrafe verurteilt. Nach der letzten Haftstation 1941/42 im Zuchthaus Brandenburg wurde er nicht entlassen, sondern nach einem Aufenthalt im Polizeigefängnis Potsdam im März 1943 in das KZ Sachsenhausen überstellt. Am 5. Mai 1945 erlebte er auf dem Todesmarsch seine Befreiung. Bis zu seiner Pensionierung war er bei der Polizei, im Bergbau und als Kraftfahrer tätig.


Bei seiner Ansprache am 25. April 2010 in Brandenburg/Havel appellierte Jaroslav Vrabec an die Regierungen, die Gedenkstätten zu erhalten und finanziell angemessen auszustatten, damit junge Menschen aus den histo­rischen Erfahrungen seiner Generation für die Gegenwart lernen können. Er schloss mit den Worten: "Mein Appell geht auch an all die anderen Länder in der Europäischen Union, die von diesem Kapitel der Geschichte betroffen sind. Vergangenheit wird verdrängt, verzerrt und eingeebnet, selbst durch offizielle europäische Stellen. In manchen Ländern zeigt sich wieder offen nazistischer, rassistischer Hass. Dem gilt es entgegenzutreten. Das ist meine Botschaft an diesem Tag der Befreiung."



Verantwortlich:
Dr. Horst Seferens
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Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
Heinrich-Grüber-Platz I 16515 Oranienburg
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