Orte der Erinnerung 1933-1945

Orte der Erinnerung 1933 - 1945

Gedenkstätten, Dokumentationszentren und Museen
zur Geschichte der nationalsozialistischen Diktatur
in Berlin und Brandenburg
05.05.2014

Beisetzungsfeier für Vera und Avner W. Less am 23. Mai 2014, um 9:30 Uhr.


Ort: Friedhof Wannsee, Friedenstrasse 8, 14109 Berlin.

 

Avner Less, geb. 18. Dezember 1916 in Berlin, gest. 7. Januar 1987 in Zürich.

Vera Less, geb. 2. Juni 1912 in Hamburg, gest. 26. August 1980 bei Zürich.

 

Er wurde als "Hauptmann Less" bekannt, als der Polizeioffizier, der Adolf Eichmann in Israel 275 Stunden verhört hat. Am Freitag, dem 23. Mai 2014, wird endlich Avner Werner Less' letzter Wunsch erfüllt: Er wird zusammen mit seiner Frau Vera auf dem Friedhof Berlin-Wannsee in der Friedenstraße feierlich beigesetzt. Bisher hatten widrige Umstände eine getrennte Beisetzung in Hamburg und in Zürich erzwungen.

 

Avner W. Less gehörte zu den Berliner Juden, die noch rechtzeitig fliehen konnten. Vera Less, geborene Gonsiorowski, stammte aus Hamburg. Beiden gelang gemeinsam die Einwanderung nach Palästina. Die Mutter von Vera Less, der Vater von Avner W. Less und viele weitere Familienmitglieder wurden jedoch ermordet. Nach der Beisetzung werden Alon Less, der Sohn von Avner und Vera, sowie Verwandte der Familie in Berlin Stolpersteine für die Großeltern und weitere ermordete Angehörige verlegen.

 

Das Ehepaar Less lebte in Israel, New York, Paris, Genf, Basel und Zürich, wo beide verstarben. Unbeschadet ihrer israelischen Staatsbürgerschaft und im Namen ihrer Eltern bestanden Avner und Vera Less auf der Annullierung ihrer Zwangsausbürgerung und der Rückgabe des deutschen Passes. Auch wenn sie nicht in Deutschland leben wollten, sollte der Anspruch darauf doch nicht aufgegeben werden. Und die Hoffnung auf Versöhnung auch nicht.

 

Das Verhör des Holocaust-Organisators Adolf Eichmann und die Aufzeichnungen seines Verhöroffiziers Avner W. Less gehören ohne Zweifel zu den Meilensteinen der Erforschung unserer Geschichte. Deshalb hat sich das Haus der Wannsee-Konferenz besonders dafür eingesetzt, dass sein Sohn den letzen Wunsch der Eltern erfüllen kann. Es ist nicht zuletzt auch die Heimkehr eines großen Berliner Juden in die Stadt, in der man seine Familie noch nicht einmal sterben lassen wollte. Eichmann deportierte den Vater seines späteren Verhöroffiziers nach Auschwitz.

 

Am Freitag, dem 23. Mai 2014, werden Vera und Avner W. Less auf dem Friedhof Wannsee beigesetzt. Die Feier wird von Rabbiner Prof. Dr. Andreas Nachama geleitet. Worte des Gedenkens sprechen der Sohn Alon Less (Zürich), Dr. Norbert Kampe vom Haus der Wannsee-Konferenz (Berlin) und die Less-Biografin Dr. Bettina Stangneth (Hamburg).

 

Jeder, der Avner und Vera Less die Ehre erweisen möchte, ist eingeladen, am Freitag, 23. Mai 2014 zum Friedhof in Berlin-Wannsee (Friedenstrasse 8) zu kommen. Die Feier beginnt um 9:30 Uhr.

22.04.2014

Veranstaltung der Ständigen Konferenz am 20. Mai 2014

Die Ständige Konferenz der Leiter der NS-Gedenkorte im Berliner Raum lädt Sie und Ihre Freunde herzlich zur Podiumsdiskussion am Dienstag, 20. Mai, um 19 Uhr ein.

 

»Erobern und Vernichten« (1939 – 1945). »Slawen« – Eine verdrängte Opfergruppe? 



Dienstag, 20. Mai 2014,
19 Uhr, im Auditorium der Topographie des Terrors

 

Zum Thema


Im Zweiten Weltkrieg fielen Millionen Männer, Frauen und Kinder der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik im Osten zum Opfer. Dieser Massenmord wurde durch die deutsche »Lebensraum«-Ideologie und die rassistische Stigmatisierung der Einwohner Polens und der Sowjetunion als »slawische Untermenschen« gerechtfertigt.
Wer waren die Opfer? Lässt sich diese Vernichtungspolitik gegen so unterschiedliche Gruppen wie sowjetische Kriegsgefangene, weißrussische und ukrainische Bauern, die polnische Bildungsschicht oder die Einwohner Leningrads auf ideologische Prinzipien der NS-Führung zurückführen? Warum spielen diese Opfer in der deutschen Erinnerung praktisch keine Rolle?


PROGRAMM

 Begrüßung

Prof. Dr. Andreas Nachama, Direktor Stiftung Topographie des Terrors, Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Leiter der NS-Gedenkorte im Berliner Raum (2014)

Auftaktreferat

Dr. Peter Jahn, Gründer der Initiative »Gedenkort für die Opfer der NS-Lebensraumpolitik«

Podium

Dr. Peter Jahn, bis 2006 Leiter des Deutsch-Russischen Museums Berlin-Karlshorst

Ekaterina Makhotina, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Historischen Seminar der Universität München, Geschichte Ost- und Südosteuropas

Prof. Dr. Reinhard Rürup, em. Professor für Neuere Geschichte an der Technischen Universität Berlin, bis 2004 Wissenschaftlicher Direktor der Stiftung Topographie des Terrors

Prof. Dr. Robert Traba, Direktor des Zentrums für historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften

Dr. Jürgen Zarusky, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte München–Berlin

Moderation

Prof. Dr. Andreas Nachama


EINLADUNGSKARTE als PDF


Bitte melden Sie sich bis zum 18. Mai 2014 für die Podiumsdiskussion bevorzugt per E-Mail (staendigekonferenz@orte-der-erinnerung.de) oder per Fax (030/25 45 09-99 ) an. Die Platzzahl ist begrenzt.

22.04.2014

Neuer Ausstellungskatalog der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas

„Alles brannte“ – Jüdisches Leben und seine Zerstörung in den preußischen Provinzen Hannover und Ostpreußen

 

Die Ausstellung »Alles brannte!« vergleicht erstmals die jüdische Geschichte in zwei deutschen Regionen, den früheren preußischen Provinzen Hannover und Ostpreußen. Anlass ist der 75. Jahrestag des antijüdischen Terrors im November 1938. Diese Ausschreitungen beendeten für Juden jede Hoffnung auf eine weitere Existenz in ihrer Heimat. Die Ausstellung will einen Beitrag zur grenzüberschreitenden Aufarbeitung der jüngsten Vergangenheit in Deutschland, Polen, der Russischen Föderation und Litauen leisten.

 

 

Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog (296 Seiten) mit zahlreichen, bislang meist unbekannten Fotografien und vielen Zeitdokumenten in deutscher und russischer Sprache erschienen.

 

Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Ostpreußisches Landesmuseum Lüneburg in Zusammenarbeit mit dem Nordost-Institut (IKGN e. V.) (Herausgeber)

 

auf Deutsch und Russisch im Buchladen des Denkmals für die ermordeten Juden Europas und des Centrum Judaicums sowie unter info(at)stfitung-denkmal.de

 

ISBN: 978-3-942240-13-0
Preis: 15,00 €

14.04.2014

Ab 14. April: Ausstellung im Freien „Berlin 1933-1945” in der Topographie des Terrors

Zusätzlich zur Dauerausstellung „Topographie des Terrors” und der Sonderausstellung „erfasst, verfolgt, vernichtet” wird ab 14. April in den Ausgrabungen entlang der Niederkirchnerstraße wieder die Ausstellung „Berlin 1933-1945. Zwischen Propaganda und Terror” zu sehen sein.

20.03.2014

Trauer um Reinhard Florian (1923–2014)

Am 17. März 2014 verstarb mit dem 91-jährigen Reinhard Florian einer der letzten Überlebenden des nationalsozialistischen Völkermords an den Sinti und Roma aus der früheren deutschen Provinz Ostpreußen. Dort waren bis 1933 die meisten Angehörigen dieser Minderheit im Deutschen Reich ansässig. Geboren am 24. Februar 1923 in Matheningken, Kreis Insterburg, erfuhr Florian – als ›Zigeuner‹ beschimpft – bereits als Kind Ausgrenzung. Er überlebte zwischen 1942 und 1945 mehrere Lager und einen Todesmarsch. Alle Mitglieder der 18-köpfigen Familie, mit Ausnahme eines Bruders und des Vaters, wurden von Nationalsozialisten ermordet. Der Neuanfang in Aschaffenburg gestaltete sich schwierig. Reinhard Florian hatte mit Krankheit und Traumata zu kämpfen. Erst Ende der 1980er Jahre erhielt er dank der Unterstützung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma eine Entschädigungszahlung und begann, über sein Schicksal zu sprechen. Bei der Eröffnung des Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas Ende Oktober 2012 begrüßte ihn Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel persönlich als Ehrengast – für Reinhard Florian einer der Höhepunkte seines Lebens und allzu späte Anerkennung des eigenen und des Leids Hunderttausender.

 

Zeitgleich erschienen in der Schriftenreihe der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas die Lebenserinnerungen Reinhard Florians. »›Ich wollte nach Hause nach Ostpreußen!‹ Das Überleben eines deutschen Sinto« bietet Einblick in die bislang unbekannte Verfolgung der ostpreußischen Sinti. Selten hat jemand das Überleben der nationalsozialistischen Mordpolitik so unmittelbar geschildert wie er. Reinhard Florians ungebrochene Fassungslosigkeit darüber, wozu Menschen in der Lage sind und sein authentischer Erzählstil sind auf eine schmerzhafte Weise ungewöhnlich. Trotz seiner Erfahrungen ist es dem »kleinen, großen Mann« gelungen, sich bis zum Schluss eine große Herzlichkeit und Wärme zu bewahren.

 

Nähere Informationen:
Jana Mechelhoff-Herezi
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas
Tel. +49(0)30 – 26 39 43 – 29
E-Mail: jana.mechelhoff-herezi@stiftung-denkmal.de