Orte der Erinnerung 1933-1945

Orte der Erinnerung 1933 - 1945

Gedenkstätten, Dokumentationszentren und Museen
zur Geschichte der nationalsozialistischen Diktatur
in Berlin und Brandenburg
03.03.2016

Veranstaltungsbericht: Gedenken an die „Fabrik-Aktion” und den Protest in der Rosenstraße

Am 29. Februar veranstaltete die Ständige Konferenz der Leiter der NS-Gedenkorte im Berliner Raum zusammen mit einem großen Initiativkreis eine Zeremonie, um den Protesten in der Rosenstraße 1943 zu gedenken. Zahlreiche Gäste versammelten sich gegen 16 Uhr am Mahnmal Große Hamburger Straße, um den El Male Rachamin von Kantor Isaac Scheffer sowie das Kaddisch von Rabbiner Jonah Sievers zu hören. Anschließend folgte ein gemeinsamer Schweigemarsch zur der Skulptur von Ingeborg Hunzinger in die Rosenstraße. Nach einer Gedenkode durch die Kantorin Esther Hirsch, begrüßte Prof. Dr. Günter Morsch, diesjähriger Vorsitzender der Ständigen Konferenz und Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, die Gäste und erläuterte kurz die historischen Zusammenhänge. Dr. Christian Hanke, Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, warnte anschließend in seiner Rede vor dem aktuellen Rechtsdruck in Deutschland und sprach sich ausdrücklich für ein Verbot der NPD aus. Auch Dr. Mario Offenberg appellierte in seinem Merkwort an den Zusammenhalt und die Zivilcourage in der deutschen Gesellschaft. Der Rabbiner Yaacov Zinvirt beendete die Zeremonie mit einem El Male Rachamin und einem Kaddisch.  Anschließend fand ein Zeitzeugengespräch im Instituto Cervantes statt, wo Ruth Winkelmann die Fragen der Schülerinnen und Schülern der Berlin British School beantwortete. Eindrucksvoll schilderte die Zeitzeugin ihre Erinnerungen an ihre Kindheit im Nationalsozialismus. Sie ist die einzige Jüdin ihrer großen Familie, die den Krieg überlebt hat.

29.02.2016

ROMADAY 2016: Bündnis für Solidarität mit den Sinti und Roma Europas stellt Kampagne gegen Antiziganismus vor

 

Auf Initiative des Vereins RomaTrial und der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas hat sich in Berlin ein breites gesamtgesellschaftliches Bündnis für Solidarität mit den Sinti und Roma Europas gebildet. Mitglieder der Interessengemeinschaft sind mehr als 20 Organisationen aus Politik, Zivilgesellschaft und Kultur. Ziel des Bündnisses ist es, auf die fortwährende Diskriminierung der größten europäischen Minderheit aufmerksam zu machen.

 

»Der Rassismus, den Sinti und Roma europaweit im Alltag erleben, ist unerträglich. Und niemand schaut hin! Wir dürfen es nicht den Betroffenen selbst überlassen, auf den Antiziganismus und dessen teils existenzbedrohende Folgen hinzuweisen. Sondern wir als Mehrheit müssen diese Situation endlich öffentlich benennen, verurteilen und dagegen angehen«, so Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal, zur Gründung der Initiative.

 

Kern der Kampagne gegen Antiziganismus ist ein Aufruf mit fünf zentralen Forderungen an Politik, Medien und Öffentlichkeit. Der Aufruf ist ab sofort unter www.romaday.org verfügbar. Bürgerinnen und Bürger sind aufgerufen, die Forderungen zu unterzeichnen und sich so gegen die Ausgrenzung von Sinti und Roma auszusprechen. Die gesammelten Unterschriften sollen an Bundestags- und Europaparlamentsabgeordnete, Minister, den Bundespresserat sowie die Medien übergeben werden.

 

Im Rahmen einer Kundgebung anlässlich des ROMADAY am 8. April 2016 wird der Aufruf durch Arne Friedrich verlesen. Der ehemalige Fußballnationalspieler gründete nach seiner Karriere die »Arne-Friedrich-Stiftung«, die sich unter anderem für die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund einsetzt. Das Bündnis zu unterstützen, ist ihm ein wichtiges Anliegen, da insbesondere die Kinder der Minderheit unter dem Rassismus zu leiden hätten. Für diese Kinder bestehe jedoch ohne Bildung und Chancengleichheit keine Möglichkeit auf Integration.

 

Hintergrund



Roma und Sinti werden in Europa aufgrund jahrhundertealter Vorurteile diskriminiert. Dieser Rassismus hat in den vergangenen Jahren eine neue Dimension erreicht. Jüngstes Beispiel ist etwa der Angriff auf das Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma, das im Oktober 2015 mit einem Hakenkreuz und dem Wort »Vergasen« beschmutzt wurde.

 

Infolge der aktuellen Debatten über das Bleiberecht von Flüchtlinge verschärft sich die Situation der nach Deutschland geflüchteten Roma akut. Nach Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina wurden im vergangenen Herbst auch Albanien, das Kosovo und Montenegro als sichere Herkunftsstaaten eingestuft. Anträge von Asylbewerbern aus diesen Ländern werden als »offensichtlich unbegründet« abgelehnt. Die Lebenswirklichkeit der dortigen Roma wird dabei ausgeblendet: Diese ist bestimmt von Obdach- und Arbeitslosigkeit sowie Vertreibung. Roma werden teils nicht als Staatsbürger registriert, haben kaum Zugang zur Gesundheitsversorgung und werden aus dem Schulsystem ausgeschlossen. Nationalismus und Rassismus wenden sich in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens in besonderem Maße gegen Roma. Sie fliehen aufgrund existenzbedrohender Ausgrenzung. In Deutschland ist diese Gruppe wiederum einem diskriminierenden Sonderverfahren ausgesetzt.

 

KUNDGEBUNG ANLÄSSLICH DES ROMADAY



8. April 2016, 12 Uhr, Simsonweg, 10577 Berlin
Reden u. a.: Aydan Özoğuz, Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration; Soraya Post, Abgeordnete des Europäischen Parlaments; Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden; Zoni Weisz, Holocaustüberlebender

 

Informationen und Aufruf

www.romaday.org

 

Pressefotos und weiteres Pressematerial

www.romaday.org/presse

23.11.2015

Veranstaltungsbericht: Vergessene Orte – Die Außenlager und Außenkommandos des KZ Sachsenhausen in Berlin. Häftlingszwangsarbeit für die Privatwirtschaft und die SS

Die Ständige Konferenz der Leiter der NS-Gedenkorte im Berliner Raum lud am 19. November 2015 zu einem Themenabend über die Außenlager und Außenkommandos des KZ Sachsenhausen in das Haus der Commerzbank am Pariser Platz ein.

 

Dr. Hans-Christian Jasch, Direktor der Gedenk-und Bildungsstätte Haus der Wannseekonferenz und Vorsitzender der Ständigen Konferenz, begrüßte die rund 80 Gäste. Anschließend führte Dr. Astrid Ley, stellvertretende Leiterin der Brandenburgischen Gedenkstätten, in die Thematik ein. Das Publikum gewann so einen umfassenden Überblick über die vielen Außenlager, die sich im Berliner Stadtgebiet befanden sowie über die Lagerbedingungen der Häftlinge. Im Anschluss an den Vortrag diskutierten Frau Ley und Herr Jasch über die zahlreichen Fragen aus dem Publikum. Die Zuhörer beteiligten sich mit regen Fragen und Anmerkungen womit sich der Abend zu einem informativen Austausch gestaltete.

12.11.2015

Alle Reden der Gedenkveranstaltung am Mahnmal "Gleis 17" im Überblick:

Begrüßung:

Dr. Hans-Christian Jasch

Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Leiter der NS-Gedenkorte im Berliner Raum (2015), Direktor der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz

 

Grußwort:

Frank Henkel

Bürgermeister und Senator für Inneres und Sport des Landes Berlin

 

Mark Dainow

Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland
 

Gedenkrede:

Henry "Leon" Schwarzbaum

(*1921), überlebte die Konzentrationslager Auschwitz, Buchenwald und Sachsenhausen sowie den Todesmarsch im April 1945

 

Beiträge von Berliner Schülerinnen und Schüler des Hermann-Ehlers-Gymnasium Berlin-Steglitz zu recherchierten Biografien von Deportierten

Heinz Anfred Lissner

Kurt Gottschalk

22.10.2015

Gedenkveranstaltung am Mahnmal »Gleis 17«

Am vergangen Donnerstag versammelten sich, trotz eisiger Kälte und Regen, mehrere Hundert Menschen am Mahnmal »Gleis 17« um den Berliner Jüdinnen und Juden zu gedenken, die in die nationalsozialistischen Vernichtungslager deportiert wurden. Am 18. Oktober 1941 verließ der erste Berliner »Osttransport« mit 1089 jüdischen Kindern, Frauen und Männern den Bahnhof Grunewald in Richtung Lodz (»Litzmannstadt«).

Neben dem Vorsitzenden der Ständigen Konferenz, Dr. Hans-Christian Jasch, hielten Frank Henkel, Senator für Inneres und Sport, und Mark Dainow, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, beeindruckende Grußworte. Besonders berührt waren die Gäste von der Gedenkrede des Zeitzeugen Leon »Henry« Schwarzbaum. Er überlebte die Konzentrationslager Auschwitz, Buchenwald und Sachsenhausen sowie den Todesmarsch im April 1945.

Schüler einer Archiv-AG des Hermann-Ehlers-Gymnasium trugen Biografien von deportieren Schülern vor und gaben den Anwesenden so einen kleinen Einblick in das Leben dieser jungen Menschen.

Für die musikalische Umrahmung der Gedenkveranstaltung sorgte der Mundharmonikaspieler Marko Jovanovic. Am Ende der Zeremonie wurden weiße Rosen am Bahnsteig niedergelegt.

Die  Gedenkzeremonie am »Gleis 17« ist eine gemeinsame Veranstaltung der Ständigen Konferenz der Leiter der NS-Gedenkorte im Berliner Raum, dem Berliner Senat, der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, der Deutschen Bahn und der Inge Deutschkron Stiftung und fand dieses Jahr zum fünften Mal in Folge statt.