Orte der Erinnerung 1933-1945

Orte der Erinnerung 1933 - 1945

Gedenkstätten, Dokumentationszentren und Museen
zur Geschichte der nationalsozialistischen Diktatur
in Berlin und Brandenburg

Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen: Das Konzentrationslager Sachsenhausen 1936-1945. Ereignisse und Entwicklungen

Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Foto: Udo Meinel (2008)

Die Ausstellung in der ehemaligen Häftlingsküche beleuchtet 51 zentrale Ereignisse aus der Geschichte des KZ Sachsenhausen, an denen die Entwicklung des Lagers exemplarisch nachvollzogen werden kann. An vier Themen entlang – „Organisation und Aufbau des Lagers”, „Häftlingsgesellschaft”, „Lebensbedingungen im Lager und Zwangsarbeit”, „Gewalt, Terror und Tod” – bietet sie eine kompakte Chronologie von der Gründung des KZ Sachsenhausen im Sommer 1936 bis zu den Todesmärschen und zur Befreiung im April 1945.

Die vom Büro HG Merz Architekten und Museumsgestalter (Stuttgart/Berlin) gestaltete Präsentation in der ehemaligen Häftlingsküche ist die elfte von insgesamt 13 geplanten Dauerausstellungen und zugleich eine der wichtigsten Sanierungsmaßnahmen im Rahmen des dezentralen Gesamtkonzepts zur Neugestaltung der Gedenkstätte. Für die denkmalgerechte Sanierung des 1936/37 errichteten Gebäudes war der Berliner Architekt und Bauhistoriker Dr. Günter Hipfel verantwortlich.

Gezeigt wird eine Vielzahl zum Teil großformatiger Exponate aus dem KZ Sachsenhausen wie zum Beispiel der originale Galgen, die Leichenkarre, der Prügelbock sowie Mobiliar aus einer Häftlingsbaracke. Erstmals sind Fotos aus der Politischen Abteilung des Lagers zu sehen, die ein norwegischer Häftling aus dem Lager schmuggeln konnte. Darunter befindet sich auch die Fotografie eines sogenannten Plünderers. Unter dieser Bezeichnung brachte die SS bei Kriegsende Menschen in das KZ Sachsenhausen, die mit schwarzen Kreuzen im Gesicht gekennzeichnet wurden. Es handelt sich wahrscheinlich um ausländische Zwangsarbeiter, von denen mindestens mehrere Hundert auf Gestapobefehl erschossen wurden.

Zu den besonders bewegenden Exponaten gehören geschnitzte Figuren und Projektile, die in einem Massengrab mit den sterblichen Überresten jüdischer Häftlinge aus dem Außenlager Lieberose geborgen wurden. Hier hatte die SS im Februar 1945 bei der Räumung des Lagers in einer zweitägigen Erschießungsaktion mehr als 1.300 jüdische Häftlinge ermordet.

Die „dinglichen Zeugnisse” werden um zahlreiche didaktische Medien wie Schaubilder, Karten und ein großes interaktives Lagermodell ergänzt. Interaktive Medienstationen geben eine Übersicht über die Entwicklung des KZ-Systems sowie der Außenlager von Sachsenhausen. Bestandteil des Museums ist ein Kino mit rund 50 Plätzen, wo ein knapp 30minütiger Film gezeigt wird, der die Geschehnisse im KZ Sachsenhausen mit der allgemeinen historischen Entwicklung in der Zeit zwischen 1933 und 1945 verknüpft. Der Film ist simultan in vier Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) zu sehen. Angeschlossen ist darüber hinaus ein Lernzentrum mit 14 Computerarbeitsplätzen, wo unterschiedliche Informationsangebote zur Geschichte des KZ Sachsenhausen abrufbar sind.

63 Jahre nach der Befreiung ist das Totenbuch mit den Namen von rund 20.500 Menschen, die die im KZ Sachsenhausen umgekommen sind, in einem abgeschlossenen und entsprechend gestalteten Bereich erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich. Das Totenbuch ist das Ergebnis mehrjähriger akribischer Forschertätigkeit. Es beruht im Wesentlichen auf der Auswertung der überlieferten SS-Dokumente aus der Kommandantur des KZ Sachsenhausen.

Die vom Architektenbüro Prof. HG Merz konzipierte Ausstellungsgestaltung nutzt die Großzügigkeit des vorhandenen Raumes, um die Exponatvitrinen übersichtlich und locker zu verteilen. Zentrale historische Fotografien aus der Geschichte des Konzentrationslagers, die sich als bildliche „Ikonen” dem Besucher einprägen sollen, befinden sich, stark vergrößert, an den Längsseiten des Raumes auf halbtransparenten Gazeflächen. Die auf diese Weise auch im Ausstellungsbereich wahrnehmbare Reihung der Fensterflächen sowie die frei gelegten Überreste eines ehemaligen Wrasenabzuges im Dachbereich der Häftlingsküche machen den Ausstellungsraum in seiner ursprünglichen Funktion erfahrbar.

Das gilt in besonderer Weise für die historischen Kellerräume, die erstmals für Besucher zugänglich sind. Im ehemaligen Kartoffelschälkeller sind eindrucksvolle Wandmalereien aus der Zeit des Konzentrationslagers und aus der Zeit des sowjetischen Speziallagers zu sehen. In einer Mauernische, in der bei den Bauarbeiten Urnenreste mit menschlicher Asche gefunden wurden, wird die Lebensgeschichte von Robert Ziebold dargestellt, der als Zeuge Jehovas im KZ Sachsenhausen inhaftiert war und 1940 auf persönlichen Befehl Himmlers erschossen wurde. Der Urnendeckel mit seinem Namen befand sich unter den Fundstücken. Ebenfalls im Keller wir die Geschichte des Gebäudes dargestellt, einschließlich der Nutzung in der Zeit des sowjetischen Speziallagers und als „Lagermuseum” seit 1961.

Mit der Eröffnung des Museums „Häftlingsküche” ist die Umsetzung des dezentralen Ausstellungskonzepts in der Gedenkstätte Sachsenhausen weitgehend abgeschlossen, die 1994 mit der Ausstellung zur Geschichte des KZ Oranienburg begonnen wurde. Eine kleine Ausstellung zum SS-Kommandanturstab ist in Vorbereitung; eine Präsentation zur Architektur und Organisation des Lagers folgt. Dem neuen Museum „Häftlingsküche” kommt innerhalb des dezentralen Gesamtkonzept ein besonderer Stellenwert zu: In der Mitte des Gedenkstättengeländes gelegen, bildet es den Mittelpunkt eines musealen Netzwerkes. Das Museum bietet nicht nur einen kompakten Überblick über die Geschichte des KZ Sachsenhausen in Verbindung mit wichtigen Servicebereichen. Sie ist auch das Bindeglied für das dezentrale Konzept, indem in der Ausstellung immer wieder auf die anderen thematischen Ausstellungen verwiesen wird, wo Ereignisse und Themen, die in der Häftlingsküche nur angerissen werden können, vertiefend dargestellt werden.

Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen: Die Konzentrationslager-SS 1936-1945: Exzess- und Direkttäter

Die neue Ausstellung befindet sich im so genannten Turm A, dem ehemaligen Sitz der Abteilung „Schutzhaftlager“ der KZ-Kommandantur. Im Mittelpunkt stehen die zahllosen willkürlichen und oft von unvorstellbarer Brutalität und Grausamkeit gekennzeichneten Morde durch die SS-Männer der KZ-Kommandantur. In zwei Themenräumen werden exemplarisch acht solcher Exzess- und Direkttaten einschließlich der Opfer und der Täter dargestellt, die in der „Isolierung“ oder auf dem Appellplatz begangen wurden.

 

Neben Fotos, Dokumenten und Zeichnungen werden in der rund 150 m² großen Ausstellung auch Gegenstände gezeigt, darunter Schlag- und Schusswaffen sowie Stiefel der SS. Medienstationen mit biografischen Informationen zu 66 SS-Tätern, Ton- und Filmdokumente ergänzen die Darstellung.

Anschrift und Öffnungszeiten

Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen
Straße der Nationen 22
16515 Oranienburg

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Fon: +49-03 30 1-20 02 00
Fax: +49-03 30 1-20 02 01
E-mail: besucherdienst(at)gedenkstaette-sachsenhausen.de
Internet: www.gedenkstaette-sachsenhausen.de

Führungen, Projekttage, Seminare nach Vereinbarung. Führung/Projekttage bis max. 15 Pers. kosten 15 Euro, bis 30 Pers. 25 Euro. Bei fremdsprachigen Führungen wird ein Aufschlag von 25 Euro erhoben.

Öffnungszeiten:
15. März bis 14. Oktober: täglich 8-18 Uhr
15. Oktober bis 14. März: täglich 8.30-16.30 Uhr
Montags sind die Museen, das Archiv und die Bibliothek geschlossen. Die Dokumentation „Mord und Massenmord im KZ Sachsenhausen” und das Besucherinformationszentrum sind täglich geöffnet.

RE 5 ab Berlin-Hbf. bis Bhf. Oranienburg
RB 12 ab Bhf. Berlin-Lichtenberg bis Bhf. Oranienburg
S 1 bis Bhf. Oranienburg
Bus 804 (stündlich) Richtung Malz bis zur Gedenkstätte vom Bahnhofsvorplatz oder ausgeschilderter Fußweg (20 Min.)