Orte der Erinnerung 1933-1945

Orte der Erinnerung 1933 - 1945

Gedenkstätten, Dokumentationszentren und Museen
zur Geschichte der nationalsozialistischen Diktatur
in Berlin und Brandenburg

Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen: Das System des Terrors. Die Inspektion der Konzentrationslager 1938-1945

Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Foto: M. Schulz

Rund 200 Meter vom westlichen Ende der Lagerstraße entfernt befindet sich ein großes Verwaltungsgebäude, das ehemalige Stabsgebäude, das wegen seiner Grundrissform auch T-Gebäude genannt wird. Der Bau wurde 1937/38 von Häftlingen des KZ Sachsenhausen errichtet und 1939 um einen Quertrakt erweitert. Hier befanden sich seit August 1938 die „Inspektion der Konzentrationslager” und die Führung der SS-Totenkopfverbände. Die Verlegung der zentralen Verwaltung aller Konzentrationslager sowie des Leitungsstabes der KZ-Wachmannschaften und SS-Verfügungstruppe nach Oranienburg unterstreicht die Leitfunktion, die das KZ Sachsenhausen im System der Konzentrationslager einnahm. In den folgenden Jahren diente das Gebäude darüber hinaus für weitere SS-Einrichtungen wie zum Beispiel die „Kriegsgeschichtliche Forschungsabteilung der Waffen-SS” sowie als Unterkunft für 80 bis 120 SS-Angehörige.

Die Inspektion wurde von 1934 bis 1939 von Theodor Eicke und anschließend bis April 1945 von Richard Glücks geleitet. Die Schreibtischtäter der Inspektion waren maßgeblich an der Durchführung des Völkermordes an den europäischen Juden und an den Sinti und Roma beteiligt. Sie koordinierten den Massenmord an den sowjetischen Kriegsgefangenen in den Konzentrationslagern und die systematische Ermordung kranker Häftlinge. Alle Massenmorde, aber auch jeder einzelne tote Häftling, wurden in diesem Gebäude registriert.

Die Inspektion bestimmte Haftbedingungen und Hungerrationen, Zwangsarbeit und Häftlingsstrafen. Hier wurde der systematische Terror in den Lagern bürokratisch geplant. Nachdem die Inspektion 1942 als Amtsgruppe D Teil des SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamtes geworden war, wurde von hier aus die Zwangsarbeit der KZ-Häftlinge für die deutsche Rüstungsindustrie zentral gelenkt, die Ausbeutung der Gefangenen und ihre „Vernichtung durch Arbeit” koordiniert.

Verwaltungstätigkeiten und bürokratische Abläufe - Aktenvermerke, Statistiken Bestimmungen, Ausführungsverordnungen - prägten den Charakter der täglichen Routine in diesem Gebäude. Neben dieser zentralistisch und effizient arbeitenden Bürokratie in der IKL stand die zügellose Gewalt und Willkür in den Lagern. Beide Elemente widersprechen sich nicht, sondern ergänzen einander und bilden zusammen das System des nationalsozialistischen Terrors.

Von 1945 bis 1990 nutzten die Rote Armee und später die Nationale Volksarmee der DDR das Gebäude. Seine historische Bedeutung geriet dadurch nahezu in Vergessenheit. Heute befinden sich hier Einrichtungen der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und das Finanzamt Oranienburg. Die dokumentarische Ausstellung im weitgehend original erhaltenen Arbeitszimmer des obersten Chefs des gesamten KZ-Systems zeigt anhand von Fotos und Dokumenten die Funktion der KZ-Inspektion als administrative Zentrale des Terrors und porträtiert einige der Schreibtischtäter, die hier tätig waren.

Die Ausstellung beginnt mit dem Auf- und Ausbau der IKL unter Theodor Eicke. Der Kriegsausbruch 1939 führt zum rapiden Anwachsen der Zahl von KZ-Häftlingen. Der Massenmord an sowjetischen Kriegsgefangenen sowie die Massenmordaktion „14 f 13”, der vermeintlich kranke Häftlinge zu Opfer fallen, werden von der IKL organisiert. Mit der Integration der IKL in das SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamt tritt der Aspekt der Zwangsarbeit von KZ-Häftlingen in den Vordergrund, die von der IKL zentral koordiniert wird. Der Völkermord an den europäischen Juden wird nicht nur in enger Abstimmung zwischen dem Reichssicherheitshauptamt und der IKL organisiert. Sogar jeder Transport des in den Gaskammern verwendeten Giftgases Zyklon B bedarf einer „Fahrgenehmigung” der IKL. Ein weiteres Thema sind medizinische Experimente an KZ-Häftlingen, die vom Leiter der Abteilung „Sanitätswesen und Lagerhygiene”, der zugleich der Vorgesetzte aller Lagerärzte ist, genehmigt werden müssen.

Anschrift und Öffnungszeiten

Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
Heinrich-Grüber-Platz 3
16515 Oranienburg

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Tel.: +49-03 30 1-20 02 00
Fax: +49-03 30 1-20 02 01
E-mail: besucherdienst@gedenkstaette-sachsenhausen.de
Internet: <http://www.gedenkstaette-sachsenhausen.de/>

 

Führungen, Projekttage, Seminare nach Vereinbarung. Führung/Projekttage bis
max. 15 Pers. kosten 15 Euro, bis 30 Pers. 25 Euro. Bei fremdsprachigen Führungen wird ein Aufschlag von 25 Euro erhoben.


Öffnungszeiten:

Mo–Fr   8-18 Uhr
Sa–So   12-16 Uhr


RE 5 ab Berlin-Hbf. bis Bhf. Oranienburg
RB 12 ab Bhf. Berlin-Lichtenberg bis Bhf. Oranienburg
S 1 bis Bhf. Oranienburg
Bus 804 (stündlich) Richtung Malz bis zur Gedenkstätte vom Bahnhofsvorplatz
oder ausgeschilderter Fußweg (20 Min.)