Orte der Erinnerung 1933-1945

Orte der Erinnerung 1933 - 1945

Gedenkstätten, Dokumentationszentren und Museen
zur Geschichte der nationalsozialistischen Diktatur
in Berlin und Brandenburg

Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz: Die Wannsee-Konferenz und der Völkermord an den europäischen Juden

Im Januar 2006 hat die Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz eine neue ständige Ausstellung eröffnet. Diese trägt dem Fortschritt unserer historischen Erkenntnisse seit Öffnung der Archive im östlichen Europa in den 1990er Jahren Rechnung und berücksichtigt die Erfahrungen von dreizehn Jahren Bildungsarbeit in der Gedenkstätte. 805.000 Besucher aus aller Welt haben die erste ständige Ausstellung zwischen 1992 und 2005 gesehen, davon mehr als die Hälfte im Rahmen einer intensiven pädagogischen Betreuung durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gedenkstätte. Die Ausstellung ist ein wichtiger Teil des vielfältigen pädagogischen Angebots, sie erschließt sich aber auch dem unbetreuten Einzelbesucher. Dem entsprechend sind Themen und Schwerpunkte ausgewählt worden und die Präsentation ist auf das Wesentliche und Exemplarische reduziert worden.

Das zentrale Thema des Hauses ist die Wannsee-Konferenz vom 20. Januar 1 942 für die Organisation des Völkermords wie auch die Beteiligung der Konferenzteilnehmer und der durch sie vertretenen Ämter an der Verfolgung und Ermordung der Juden. Insgesamt vier Räume widmen sich speziell diesem Thema. (Räume 7 bis 10). Nach einer Skizze der historischen Entwicklung der Judenfeindschaft und des Rassismus (Raum 2) wird für die Zeit der Weimarer Republik die erreichte Integration der Juden in die deutsche Gesellschaft und zugleich deren Bedrohung gezeigt (Raum 3). Es folgt die Information über die propagandistische Konstruktion der „Volksgemeinschaft” nach 1933, über die Ausgrenzung und Verfolgung, aber auch über den Versuch zur Selbstbehauptung der deutschen Juden (Raum 4). Das ehemalige Gästehaus des Sicherheitsdienstes (SD) der SS ist ein Haus der Täter. Deshalb werden in mehreren Themenräumen verschiedene Tätergruppen ins Blickfeld gerückt, darunter die Ordnungspolizei und Wehrmachtsangehörige (Räume 5 und 6) sowie die Zivilverwaltung in den besetzten Gebieten (Raum 12). Auch die seit den 1990er Jahren vermehrten Erkenntnisse über die Kollaboration werden thematisiert (Raum 5, 6 sowie 11). Die Ausstellung geht auch auf die häufig gestellte Frage nach dem Wissen um den Völkermord in der deutschen Gesellschaft ein (u. a. in Raum 7). Die durch regionalgeschichtliche Studien und Gedenkbuchprojekte rekonstruierte Praxis der Deportationen in die Ghettos und Vernichtungslager wird an drei Ländern exemplarisch dargestellt. Die Einrichtung der Ghettos, ihre Funktion bei der Konzentration der Juden vor ihrer Ermordung, die dort organisierte Zwangsarbeit, der von Hunger, Krankheit und Tod bestimmte Alltag, die gegensätzlichen Strategien der Ghettobewohner und schließlich die Auflösung der Ghettos werden anhand verschiedener Beispiele verdeutlicht (Raum 12). Die weiteren Verfolgungswege in die Transit-, Konzentrations- und Todeslager werden beispielhaft vorgestellt. Die dortigen Vorgänge werden aufgrund der überlieferten Dokumente der Täter und aus der Sicht der Opfer nachgezeichnet (Räume 11,13 und 14).

Die Ausstellung fragt nach den Handlungsspielräumen der Zuschauer und nach dem Überlebenskampf der Opfer. Um den Millionen der Gepeinigten und Ermordeten wenigstens exemplarisch einen Namen und ein individuelles Gesicht zu geben, werden vier Familienschicksale (zusammen vorgestellt in Raum 1) in den verschiedenen Themenräumen erneut aufgegriffen. „Zeitfenster” zu den Versuchen der juristischen Ahndung der Verbrechen, zur Entschädigungsfrage, zur Erinnerungspolitik und Gedenkkultur, vor allem aber der letzte Raum im Rundgang (Raum 15) verdeutlichen, dass das Jahr 1945 kein Schlusspunkt war.

Kontakt

Haus der Wannsee-Konferenz
Gedenk- und Bildungsstätte
Am Großen Wannsee 56-58
14109 Berlin

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Tel.: 030/80 50 01 0
Fax: 030/80 50 01 27
E-mail: info(at)ghwk.de
Internet: http://www.ghwk.de

Öffnungszeiten:
Dauerausstellung täglich 10-18 Uhr
Bibliothek/Mediothek Mo-Fr 10 bis 18 Uhr
geschlossen:Karfreitag, 1. Mai, Himmelfahrt, 3. Oktober, 24. bis 26. Dezember, 31. Dezember, 1. Januar

S-Bahn Linie S1 oder S7 bis S-Bahnhof Wannsee,
dann Bus 114 bis Haltestelle „Haus der Wannsee-Konferenz”
oder
RegionalExpress (Deutsche Bahn) bis Bahnhof Wannsee,
dann Bus 114 bis Haltestelle „Haus der Wannsee-Konferenz”