Orte der Erinnerung 1933-1945

Orte der Erinnerung 1933 - 1945

Gedenkstätten, Dokumentationszentren und Museen
zur Geschichte der nationalsozialistischen Diktatur
in Berlin und Brandenburg

Aus Kindern wurden Briefe

„Aus Kindern wurden Briefe. Die Rettung jüdischer Kinder aus Nazi-Deutschland”

„Aus Kindern werden Briefe” – dies war eine gängige Redewendung unter deutschen Juden im nationalsozialistischen Deutschland, und leider wurde dieser Satz oft zur brutalen Realität für viele Eltern. Jüdische Kinder hatten – sofern sie nicht jüdische Schulen besuchten - ab 1933 besonders unter dem Antisemitismus zu leiden. Sie wurden von ihren Mitschülerinnen und Mitschülern verhöhnt und verlacht und von manchen Lehrerinnen und Lehrern vor den Augen der Klasse diskriminiert. Jüdische Jugendliche, die eine Lehrstelle suchten, hatten kaum Aussichten auf einen Ausbildungsplatz. Die Situation der jüdischen Kinder und Jugendlichen verschlechterte sich mit jedem Tag des nationalsozialistischen Regimes. Die jüdischen Organisationen mussten auf diese besondere Situation reagieren, und immer mehr Eltern entschlossen sich zu dem Schritt, ihre Kinder alleine ins sichere Ausland zu schicken und sie jüdischen Hilfsorganisationen anzuvertrauen.

Etwa 4.500 Kinder und Jugendliche verließen in den Jahren 1932 bis 1941 im Rahmen der Jugend-Alija Deutschland. Das Wort Alija kommt aus dem Hebräischen, bedeutet Aufsteigen und war und ist noch heute eine Bezeichnung für die Auswanderung nach Palästina/ Israel. Bereits 1932 hatte die Lehrerin, Schriftstellerin und Zionistin Recha Freier (geboren 1892 in Norden – gestorben 1984 in Jerusalem) die Jugend-Alija mit dem Ziel ins Leben gerufen,  jüdische Jugendliche nach Palästina zu bringen und sie zum Aufbau des Landes auszubilden.

Mehr als 7.200 Kinder konnten zwischen 1934 und 1941 mit Hilfe einer deutsch-jüdischen Organisation ins europäische Ausland und nach Übersee flüchten. Die Auswanderung für Kinder ohne ihre Eltern wurde von der Abteilung Kinderauswanderung in der im Jahre 1933 gegründeten Reichsvertretung der deutschen Juden organisiert. Leiterin dieser Abteilung war ab 1934 Käte Rosenheim (geb. 1892 in Berlin - gestorben 1979 in Cupertino, Kalifornien). In den Jahren 1934 bis 1938 kamen die meisten Kinder in die USA. Der weitaus größte Teil der geretteten Kinder gelangte nach dem Novemberpogrom 1938 nach Großbritannien.

Die Ausstellung thematisiert die organisierte Flucht von Kindern und Jugendlichen nach Palästina und in die USA in den Jahren 1933 bis 1941. Auf der Grundlage von persönlichen Lebensgeschichten werden Fluchtmöglichkeiten, die Schwierigkeiten bei der Auswanderung, die Ausreise sowie das Leben in der Fremde beschrieben.

Im ersten Teil der Ausstellung gehen wir der Frage nach, in welcher Weise jüdische Kinder unter Ausgrenzung und Diskriminierung in Nazi-Deutschland zu leiden hatten und was die Eltern veranlasste, ihre Kinder jüdischen Hilfsorganisationen anzuvertrauen.

Im zweiten Teil werden die unterschiedlichen Lebenswege der Kinder nacherzählt sowie die Arbeit der jüdischen Hilfsorganisationen anhand der Biografien von zwei Hauptakteurinnen – Recha Freier und Käte Rosenheim – beschrieben. Dabei wird der Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen jüdischer Selbsthilfe nachgegangen. Mit welchen Schwierigkeiten hatten die Organisationen zu kämpfen? An welchen Faktoren scheiterten die Rettungsversuche? Für Tausende jüdische Kinder kam jede Rettung zu spät. Mehr als 20.000 Kinder wurden ab Oktober 1941 von Deutschland aus in die Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert und dort ermordet.

Im dritten Teil werden die Zeitzeugen ihre Rettung aus heutiger Sicht reflektieren.

Seit Beginn des Projektes findet eine enge und vielfältige Kooperation mit Realschulen und Gymnasien aus Berlin und Umgebung statt. Es wurden Unterrichtseinheiten zum Thema „Alltag jüdischer Kinder in Nazi-Deutschland”  und „Rettung der Kinder“ im Geschichts- und Religionsunterricht durchgeführt und die Jugendlichen in die Vorbereitung der Ausstellung mit eingebunden. Ein Schwerpunkt liegt in der Begegnung der Jugendlichen mit Zeitzeugen. In Zusammenarbeit mit Schülerinnen der Katholischen Liebfrauenschule und der Schilleroberschule wird im Augenblick eine Ausstellung in den ehemaligen Räumen des Jüdischen Waisenhauses AHAWAH in der Auguststraße erarbeitet. Das Waisenhaus wurde 1934 schrittweise nach Palästina transferiert und dort in der Nähe von Haifa wieder neu errichtet. Dieser Teil der Ausstellung wird ebenfalls am 28. September 2004 eröffnet.

Die Ausstellung „Aus Kindern wurden Briefe” wendet sich besonders an Schülerinnen und Schüler und wird unterstützt aus Mitteln des Bundesministeriums des Innern, des Auswärtigen Amtes, vor allem aber aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Programm „entimon – Gemeinsam gegen Gewalt und Rechtsextremismus”.

2004 ist ein Begleitband zur Ausstellung im Metropol Velag, edition Berlin unter dem Titel „Aus Kindern wurden Briefe” erschienen.

 

Anschrift und Öffnungszeiten

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