Orte der Erinnerung 1933-1945

Orte der Erinnerung 1933 - 1945

Gedenkstätten, Dokumentationszentren und Museen
zur Geschichte der nationalsozialistischen Diktatur
in Berlin und Brandenburg

Gerhard Kittel – Tübinger Theologe und Experte der „Judenforschung” im Nationalsozialismus

18.06.2013, 19 Uhr
Vortrag

Gerhard Kittel – Tübinger Theologe und Experte der „Judenforschung” im Nationalsozialismus

Dienstag, 18. Juni 2013,
19Uhr

Vortrag: Prof. Dr. Horst Junginger, München/Tübingen
Moderation: Prof. Dr. Manfred Gailus, Berlin

(Im Rahmen der Vortragsreihe „Täter und Komplizen in Theologie und Kirchen 1933–1945”, in Kooperation mit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und Prof. Dr. Manfred Gailus)

Der Tübinger Theologieprofessor Gerhard Kittel (1888–1948), Herausgeber des bis heute als Standardwerk geltenden „Theologischen Wörterbuchs zum Neuen Testament“, war ein national wie international geachteter Wissenschaftler. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten trat er am 1. Mai 1933 der NSDAP bei und vertrat zunehmend antisemitische Positionen. Er setzte sich für die Einführung des „Arierparagraphen” in der evangelischen Kirche ein und schlug die Bildung eigener judenchristlicher Gemeinden vor. Seit 1936 war er Mitarbeiter in der „Forschungsabteilung Judenfrage” des „Reichsinstituts für Geschichte des neuen Deutschlands”. Anknüpfend an eine lange Tradition christlicher Judenfeindschaft vermittelte Kittel in Vorträgen und Publikationen sein geschichtstheologisches Modell vom notwendigen Kampf gegen das Judentum, das er auf den politischen Rassendiskurs des „Dritten Reichs” zuschnitt.

In seinem Vortrag gibt Horst Junginger einen Überblick über den Werdegang Gerhard Kittels, beschreibt die Entwicklung seiner antisemitischen Argumentationsmuster und fragt nach deren Relevanz im Hinblick auf die nationalsozialistische Ausgrenzungs- und Vernichtungspolitik.

Horst Junginger, 1959 geboren, ist Privatdozent für Religionswissenschaft an der Universität Tübingen und zur Zeit Vertretungsprofessor an der Universität München. Er absolvierte ein Studium der Religionswissenschaft, Philosophie, Geschichte und Islamwissenschaft und war Stipendiat des Jerusalemer International Center for the Study of Antisemitism. Zu seinen Veröffentlichungen gehören Von der philologischen zur völkischen Religionswissenschaft. Das Fach Religionswissenschaft an der Universität Tübingen von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Dritten Reiches (1999), The Study of Religion under the Impact of Fascism (2008, Hg.) und Die Verwissenschaftlichung der „Judenfrage” im Nationalsozialismus (2011).

Manfred Gailus, 1949 geboren, ist apl. Professor für Neuere Geschichte an der Technischen Universität Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Sozial- und Politikgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts und die Protestantismusgeschichte. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen vorgelegt, darunter Zerstrittene „Volksgemeinschaft”. Glaube, Konfession und Religion im Nationalsozialismus (2011, hg. mit Armin Nolzen).

Topographie des Terrors. Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt
in der Wilhelm- und Prinz-Albrecht-Straße
Niederkirchnerstraße 8
10963 Berlin-Kreuzberg

Tel.: +49(0)30-25 45 09-50
Fax: +49(0)30-25 45 09-55

E-Mail: ausstellung@topographie.de
Internet: www.topographie.de

Ort anzeigen auf Google maps