Orte der Erinnerung 1933-1945

Orte der Erinnerung 1933 - 1945

Gedenkstätten, Dokumentationszentren und Museen
zur Geschichte der nationalsozialistischen Diktatur
in Berlin und Brandenburg

»Geschichte und Rezeption von Desertion – Annäherung an ein schwieriges Thema«

28.06.2017, 18 Uhr
Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam
Podiumsdiskussion

»Geschichte und Rezeption von Desertion – Annäherung an ein schwieriges Thema« – Podiumsgespräch in der Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam


Mittwoch, den 28. Juni 2017, um 19 Uhr
in der Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam

Die Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam lädt zu einer Podiumsdiskussion zum Thema »Geschichte und Rezeption von Desertion – Annäherung an ein schwieriges Thema« ein. Teilnehmer der Gesprächsrunde sind die stellvertretende Leiterin des Ludwig Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgen-Forschung in Graz, Doz. Dr. Barbara Stelzl-Marx, der leitende wissenschaftliche Direktor des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam, Dr. Rüdiger Wenzke, und der Hamburger Historiker, Kurator und Autor Dr. Magnus Koch, der auch wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Wien ist. Das Gespräch wird von Alfred Eichhorn moderiert.

Die Veranstaltung ist die Finissage zur Sonderausstellung „Fahnenflucht in den Westen. Sowjetische Deserteure und ihre deutschen Helferinnen und Helfer“. Sie widmet sich einem Phänomen, das es nach der sowjetischen Militärtheorie über die „Interessenidentität von Volk und Armee“ gar nicht hätte geben dürfen: der Desertion von Rotarmisten. Desertion gehörte zu den schwersten Straftaten, die ein Angehöriger der sowjetischen Armee begehen konnte, nicht nur in Kriegszeiten. Fahnenflüchtigen drohte die Exekution. Wer ihnen half, machte sich selbst strafbar und wurde verfolgt. Unmittelbar vor der Podiumsdiskussion besteht im Rahmen einer Führung mit Gedenkstättenleiterin Dr. Ines Reich letztmalig Gelegenheit zum Besuch der Sonderausstellung (Beginn: 18.00 Uhr).

Fahnenflucht ist immer ein Seismograf für den Zustand einer Armee, für die Akzeptanz der Truppe innerhalb der eigenen Bevölkerung und für die Durchsetzungskraft militärischer Normen. Soldaten, die abhauen, stellen die Rechtmäßigkeit militärischen Handelns in Frage. Gerade deswegen birgt der Umgang mit Deserteuren und Desertion oft Sprengstoff – tagesaktuell, aber auch in der historischen Forschung.

Die namenhafte Expertinnen und Experten aus dem Bereich der Geschichtswissenschaften werden bei dem Podiumsgespräch die Desertion sowjetischer Soldaten in einen größeren historischen Kontext einordnen. Analysiert wird das Phänomen Desertion am Beispiel von Deserteuren der Wehrmacht, der sowjetischen Besatzungstruppen in Österreich und der Nationale Volksarmee (NVA) der DDR. Dabei kommt auch die Rezeption von Deserteuren und Desertion zur Sprache. Gerade die Anerkennung der Wehrmachtsdeserteure als Opfer nationalsozialistischen Unrechts war ein heiß umkämpftes Thema der bundesrepublikanischen Gedenkpolitik.

Zu der Veranstaltung sind alle Interessierten herzlich eingeladen. Bei schönem Wetter findet die Veranstaltung im Freien statt. Der Eintritt ist frei.

Programm
18 Uhr: Führung durch die Sonderausstellung
mit Gedenkstättenleiterin Dr. Ines Reich

19 Uhr: Podiumsgespräch mit
Doz. Dr. Barbara Stelzl-Marx, stv. Leiterin des Ludwig Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgen-Forschung, Graz
Dr. Rüdiger Wenzke, leitender wissenschaftlicher Direktor des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, Potsdam
Dr. Magnus Koch, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Wien (Projekt „Politics of Remembrance“), freier Historiker, Autor und Kurator, Hamburg

Moderation: Alfred Eichhorn, Journalist

Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam
in der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
Leistikowstraße 1
14469 Potsdam

mehr Informationen: www.gedenkstaette-leistikowstrasse.de und www.facebook.com/leistikowstr/