Die Stiftung Topographie des Terrors lädt gemeinsam mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg zu einer Veranstaltung im Rahmen ihrer Reihe Neuere Filme zur NS-Geschichte ein.
Für die Podiumsdiskussion nach dem Film wurden die Zeitzeugen Dieter
Bielenstein (Deutschland), Henryk Jaszcz (Polen) und Zwi Steinitz (Israel), die
Historikerin Prof. Dr. Isabel Heinemann sowie die Regisseure Jacek Kubiak und
Klaus Salge eingeladen, Moderation: Dr. Petra Lidschreiber (RBB)
Topographie des Terrors Auditorium
Niederkirchnerstraße 8 | 10963 Berlin-Kreuzberg
- Eintritt frei -
Nach dem deutschen Überfall auf Polen im September 1939 wurden Tausende Polen
vertrieben, deportiert und umgebracht. In den folgenden Monaten nahmen die Nazis im
neugeschaffenen „Reichsgau Wartheland“ eine ethnische Neuordnung vor; Hunderttausende
Vertriebene mussten den „Volksdeutschen“ weichen, die vor allem aus der sowjetischen
Einflusszone „heimgeholt“ wurden. Für die jüdischen Polen begann ein Leidensweg, der für
die meisten in den Vernichtungslagern endete.
Der Film stellt drei Männer vor, die beim deutschen Überfall auf Polen noch Kinder waren und
deren Schicksal mit der Stadt Poznań/Posen verbunden ist: Zwi Steinitz aus Tel Aviv, der
nach 70 Jahren zum ersten Mal wieder in sein Geburtsland reiste, um den Ort zu besuchen,
an dem seine Eltern ermordet wurden. Henryk Jaszcz, der nach dem Überfall vergeblich seine
Eltern in Poznań suchte und dessen Weg in den Widerstand führte. Und Dieter Bielenstein,
der als Zwölfjähriger mit seinen Eltern aus Lettland nach Poznań kam.
Dieter Bielenstein, 1931 in Mitau (lettisch: Jelgava) in Lettland geboren, lebte von 1940-1945 in
Poznań. Er studierte Jura, Geschichte und Soziologie in Göttingen und Bonn, war als Journalist sowie
viele Jahre im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung tätig, u.a. als Leiter des Büros in Tokyo.
Henryk Jaszcz, 1922 geboren, wurde mit seiner Familie aus Poznań in das Generalgouvernement
ausgesiedelt. Er schloss sich dort der Armia Krajowa, der polnischen Untergrundarmee, an. Noch heute
ist er im Verband der Veteranen der Armia Krajowa tätig.
Zwi Steinitz, 1927 geboren, wurde 1939 mit seiner Familie aus Poznań vertrieben. 1941 kam die
Familie ins Krakauer Ghetto, die Eltern und sein Bruder wurden 1942 im Vernichtungslager Belzec
ermordet. Über die Lager Plaszow, Auschwitz und Buchenwald kam er 1945 in das KZ Sachsenhausen
und wurde im April 1945 bei Schwerin befreit. 1946 erreichte er mit einem Schiff Palästina.
Isabel Heinemann, 1971 geboren, ist seit Juniorprofessorin für Neuere und Neueste Geschichte an
der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Sie promovierte 2001 über das Rasse- und
Siedlungshauptamt der SS und die nationalsozialistische Rassenpolitik im besetzten Europa 1939-
1945.
Jacek Kubiak, 1957 geboren, Mitbegründer von Solidarność in Poznań. Er ist seit 1989 journalistisch
tätig, inzwischen mit einer eigenen TV-Produktion in Poznań. Die deutsch-polnischen Beziehungen sind
eines der Hauptthemen seiner Arbeit.
Klaus Salge, 1965 geboren, ist seit 1979 Regisseur und Autor von Dokumentarfilmen im Fernseh und
Kinobereich. Es entstanden Filme mit Mikis Theodorakis, Harry Mulisch, Peter Schneider, sowie
Dokumentationen zum Fall der Mauer und zur Geschichte der militanten linken Gruppen in Deutschland
(mit Klaus Stern).
Petra Lidschreiber, 1951 geboren, absolvierte die Deutsche Journalistenschule in München und
studierte u.a. Wirtschaftswissenschaften. Sie leitete das ARD-Studio in New York, moderierte das ARD Magazin „Kontraste“ und hat seit 2006 die Ressortleitung Mittel- und Osteuropa beim Rundfunk Berlin-Brandenburg inne.
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