Orte der Erinnerung 1933-1945

Orte der Erinnerung 1933 - 1945

Gedenkstätten, Dokumentationszentren und Museen
zur Geschichte der nationalsozialistischen Diktatur
in Berlin und Brandenburg

NS-Medizinverbrechen an Kindern – Das Beispiel Bayern

31.01.2012, 19 Uhr
Vortrag

Die Stiftung Topographie des Terrors zeigt ab dem 18. Januar 2012 die Sonderausstellung Im Gedenken der Kinder. Die Kinderärzte und die Verbrechen an Kindern in der NS-Zeit, initiiert von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V.
Im Rahmen des Begleitprogramms lädt die Stiftung zu einer Vortrags- und  Diskussionsveranstaltung ein.

Dienstag 31. Januar 2012 19.00 Uhr

NS-Medizinverbrechen an Kindern –Das Beispiel Bayern

Vortrag: Prof. Dr. med. Michael von Cranach, München
Moderation: Uwe Neumärker, Berlin

Topographie des Terrors Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg


– Eintritt frei –


Über 10.000 Kinder und Jugendliche fielen in Deutschland von 1939 bis 1945 den
verschiedenen nationalsozialistischen Programmen zur Vernichtung „lebensunwerten Lebens“ zum Opfer, allein in Bayern in den drei  „Kinderfachabteilungen“ waren es 695 Menschen.

In seinem Vortrag skizziert Michael von Cranach den Ablauf der „Kinder-Euthanasie“ in Bayern, informiert insbesondere über die Kindermorde in den drei bayerischen „Kinderfachabteilungen“ Eglfing-Haar, Ansbach und Kaufbeuren und lenkt den Blick auch auf die Menschenversuche mit Kindern in Kaufbeuren. Im Mittelpunkt des Vortrags stehen drei Biographien. Ernst Lossa wurde im Alter von 14 Jahren in der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren getötet. Mittlerweile ist er zu einer Symbolfigur für die ermordeten Kinder geworden, nicht zuletzt deshalb, da zahlreiche Einzelheiten über sein Leben und die Umstände seiner Einweisung und Tötung bekannt sind. Walther M. wurde mit acht Monaten ermordet, am „Reichsausschuss“ vorbei, vermutlich auf persönliche Initiative des Kaufbeurer Direktors. Richard Jenne war wohl das letzte Opfer der „Kinder-Euthanasie“.
Er starb am 29. Mai 1945, wenige Wochen nach Kriegsende in Kaufbeuren.
Abschließend unternimmt von Cranach eine Reflexion über die Bedeutung und Wege der Auseinandersetzung mit dieser Vergangenheit für die Psychiatrie.


Michael von Cranach, 1941 geboren, Psychiater und Autor, war von 1980 bis 2006
leitender ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses Kaufbeuren. Für die Aufarbeitung der Geschichte dieser Einrichtung als Heil- und Pflegeanstalt in der NS-Zeit wurde er 2006 von der Stiftung Erinnerung Lindau mit dem Marion-Samuel-Preis geehrt. Zu seinen neueren Veröffentlichungen gehören der gemeinsam mit Hans-Ludwig Siemen herausgegebene Band Psychiatrie im Nationalsozialismus. Die Bayerischen Heil- und Pflegeanstalten zwischen 1933 und 1945 (1999) sowie diverse Beiträge zum Thema der
nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen.


Uwe Neumärker, 1970 geboren, ist Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Er hat zur Geschichte des Nationalsozialismus, Ostpreußens und Litauens publiziert.

Topographie des Terrors. Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt in der Wilhelm- und Prinz-Albrecht-StraßeNiederkirchnerstraße 810963 Berlin-Kreuzberg
Tel.: +49(0)30-25 45 09-50
Fax: +49(0)30-25 45 09-55
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Internet: www.topographie.de

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