Vortrag: Dr. des. Marc Buggeln, Bremen
Moderation: Tobias Bütow, M. A., Berlin
Sklavenarbeit und Gewalt waren die prägenden Elemente in den Außenlagern des Konzentrationslagers Neuengamme. Nachdem der Nachschub an zivilen Zwangsarbeitern versiegt war, bildete die Arbeitskraft der Häftlinge ab 1944 eine der letzten verfügbaren Reserven für die deutsche Kriegswirtschaft. Deswegen befanden sich ab diesem Zeitraum bei fast allen rüstungswichtigen Projekten KZ-Außenlager. Die unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Häftlinge stehen im Mittelpunkt des Vortrages über 86 Außenlager des KZ Neuengamme, in denen Ende 1944 etwa 40.000 Häftlinge inhaftiert waren.
Die Außenlager waren gleichermaßen Orte der Sklavenarbeit wie Orte des Sterbens. Den Ausgangspunkt des Vortrages bildet die Erkenntnis, dass sich die Chancen des Überlebens für die Häftlinge in den Außenlagern des KZ Neuengamme erheblich unterschieden. In einigen Lagern starben insgesamt fast 50% der Häftlinge, in anderen nur wenige oder sogar gar keine Häftlinge. Bisherige Studien begründen diese Unterschiede vor allem mit der Art der Arbeit, welche die Häftlinge zu verrichten hatten und mit der Zusammensetzung der Häftlingsgesellschaft. Im Vortrag wird gefragt, inwieweit dies zutreffend ist und welche Rolle andere Faktoren, wie z.B. Geschlechterverhältnisse und Täterverhalten spielten.
Zusätzlich werden Fotos und Filmaufnahmen vom Bau des U-Boot-Bunkers „Valentin“ in Bremen-Farge präsentiert, die 1944 entstanden sind und auch Häftlinge bei der Arbeit zeigen. Gefragt wird, welchen Quellenwert diese Bilder haben.
Dr. des. Marc Buggeln hat 2008 seine Dissertation mit dem Titel „Arbeit und Gewalt. Das Außenlagersystem des KZ Neuengamme“ an der Universität Bremen beendet. Er war an der Erstellung der Dauerausstellung in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme beteiligt. Zudem ist er Redakteur der Zeitschrift
„WerkstattGeschichte“ und hat zusammen mit Inge Marszolek den Sammelband: „Bunker. Kriegsort, Zuflucht, Erinnerungsraum“ (Campus-Verlag: Frankfurt 2008) herausgegeben.
Tobias Bütow studierte Geschichte und Politik. Er arbeitete für die OSZE in Sarajevo sowie für die pädagogische Abteilung im "Haus der Wannsee-Konferenz" in Berlin. Derzeit ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Historischen Museum Berlin im Oral-History-Projekt „Zwangsarbeit 1939-1945”. 2003 veröffentlichte er zusammen mit Franka Bindernagel die Studie
„Das Magdeburger KZ-Außenlager der Brabag und der Freundeskreis Himmler”.
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