Tagung
Call for Papers: Inklusiv und Ideologiekritisch?
17. September 2026 - 18. September 2026
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Gedenkstätten zwischen Diskriminierungssensibilität, Antisemitismuskritik, Niederschwelligkeit und Design für Alle
Organisatorisches auf einen Blick
Tagung: 17./18. September 2026
Ort: Berlin, Niedersächsische Landesvertretung
Veranstalter*innen: Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten/Gedenkstätte Bergen-Belsen / Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz
Kontakt: info[at]stiftung-ng.de
Einreichfrist: 16. März 2026 (Rückmeldung bis 10. April 2026)
Umfang Abstract: max. 500 Wörter, ergänzt durch eine kurze biografische Notiz
Tagungssprache: Deutsch
Kosten: Fahrt-, Übernachtungs- und Verpflegungskosten werden übernommen. Inputgeber*innen erhalten ein Honorar von 300 €.
Hintergrund und Ziel
Gedenkstätten, Dokumentationszentren und historisch-politische Bildungsorte stehen im Spannungsfeld von diskriminierungssensibler Sprache, Zugänglichkeitsfragen und Design für Alle.
Ausstellungstexte und Social-Media-Inhalte sollen kurz, klar und barrierearm sein – etwa 500 Zeichen pro Objekttext –, Diagramme und Karten übersichtlich, Narrative einfach nachzuvollziehen.
Zugleich brauchen präzise Selbstbezeichnungen, Genderformen und kontextsensibles Kuratieren Platz – der dann für die historische Einordnung fehlen kann. In der Vermittlung antisemitismuskritischer Inhalte kommen häufig psychoanalytische oder sozialpsychologische Begriffe wie Projektion, Rationalisierung oder Schuldabwehr zum Einsatz – die aber nicht automatisch verständlich sind.
Besucher*innen lernen in Gedenk- und Bildungsstätten nicht nur durch Ausstellungen, sondern auch durch die Art, wie ihnen begegnet wird. Der institutionelle Umgang ist daher selbst Teil der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Die Tagung fragt deshalb:
- Wie kann gewährleistet werden, dass an diesen Orten keine rassistischen oder antisemitischen Erfahrungen reproduziert werden?
- Wie lässt sich so reduzieren, dass nichts Wesentliches verloren geht – und so präzisieren, dass niemand ausgeschlossen wird?
- Wie können komplexe, politisch und moralisch aufgeladene Inhalte (Antisemitismus, Ideologie, Täter*innenforschung) verständlich und inklusiv vermittelt werden, ohne zu trivialisieren oder Stereotype zu reproduzieren?
- Wo liegt die Grenze der Vereinfachung, an der Zugänglichmachung in Affirmation kippt? Wie viel Komplexität braucht Ideologiekritik, um noch wirksam zu sein?
Die Tagung bringt Praxis, Forschung und Perspektiven von Vertreter*innen unterschiedlicher Communities zusammen. Ziel ist es, Konflikte sichtbar zu machen, erprobte Strategien zu teilen und Forschungs- sowie Evaluationsansätze zu diskutieren.
Thematische Schwerpunkte
Willkommen sind Beiträge zu folgenden Themenfeldern:
Textökonomie & diskriminierungssensible Sprache
- Wie gehen Einrichtungen mit Zeichenlimits um, wenn korrekte Benennungen (z.B. Selbstbezeichnungen, Genderformen) Platz binden?
- Welche Regeln haben sich bewährt (Glossare, Erstnennung, Typografie etc.)?
- Helfen mehrschichtige Formate (Text + visuell + dialogisch, vertiefende Mediaguidetouren) und didaktische Transparenz (bspw. “Dieser Text ist verkürzt – weiterführende Infos hier…”)?
Fachsprache vs. Verständlichkeit
- Was gewinnt bzw. verliert man, wenn man Fachbegriffe weglässt? Wie lässt sich Theorie übersetzen, ohne sie zu verfälschen (Alltagssprache + optionaler Fachbegriff)?
- Wann passt Sprache zum Publikum – und wann spiegelt sie nur Annahmen darüber wider, wer die Besucher*innen sind? Wie vermeiden wir, dass Vereinfachung auf Vorurteilen über das Publikum beruht, statt auf dessen tatsächlichen Bedürfnissen?
- Wie niederschwellig lässt sich über Themenbereiche wie Kollaboration in der NS-Zeit kommunizieren? Welche inhaltlich dichten Führungen in Leichter/Einfacher Sprache gibt es?
Führungen & pädagogische Interaktion
- Welche Kommunikations- und Interaktionsstile von Guides erweisen sich als niederschwellig und inklusiv?
- Wie werden Fachbegriffe, Normierungen und moralische Rahmungen in Gesprächen mit Besucher*innen ausgehandelt?
Multiperspektivität als Designproblem
- Wie multiperspektivisch kann narrative Klarheit sein? In welchem Spannungsfeld stehen Aufmerksamkeitsspannen, orientierende Ausstellungsgestaltung und multiperspektivische Erzählweisen (Perspektivenarchitektur, Objekt- und Bildpolitik, Szenografie/Dramaturgie)?
- Wie lassen sich Täter*innenmotive (Ideologie, Karrierismus, Gruppenzwang, institutionelle Logiken) darstellen – verwoben, aber nicht beliebig?
Besucherforschung & Evaluation
- Was kommt bei wem an? Wie lässt sich untersuchen, was Nutzende wie rezipieren und verstehen?
- Wieviel Text lesen Besucher*innen tatsächlich? Welche Abbildungen erzeugen Aufmerksamkeit? Anhand welcher Quellen lernen Nutzende Neues?
- Welche Indikatoren helfen Reichweitenveränderungen zu messen? Welche Nutzende sind neu dabei? Wer wird (nicht) erreicht?
- Wie lassen sich Texte, Objektauswahl, Videoskripte oder Führungssprache durch Evaluation frühzeitig verbessern – etwa durch Prototyping, A/B-Tests, Shadowing oder Teach-back-Methoden?
Beitragsarten und Zielgruppe
Willkommen sind Vorträge, Werkstattberichte, Praxisreflexionen, Fallstudien, Design-Feedback-Sessions und Methoden-Workshops.
Der Call richtet sich an:
- Gedenk- und Bildungsstätten, Erinnerungsorte, Museen
- Selbstvertretungsverbände und Community-Repräsentant*innen
- Universitäten und Forschungseinrichtungen
- Gestaltungsbüros und digitale Dienstleister
Interdisziplinäre Beiträge sind ausdrücklich willkommen. Relevante Disziplinen sind u.a.:
- Museum Studies / Curatorial Studies / Heritage Studies
- Geschichtsdidaktik, Gedenk- und Bildungsstättenpädagogik
- Antisemitismusforschung / Holocaust Studies / Judaistik
- Romani Studies / Antiziganismusforschung
- Linguistik, Soziolinguistik, Übersetzungswissenschaft, Fachkommunikation
- Disability Studies / Inklusionsforschung
- Informationsdesign / UX Writing / Kommunikationsdesign
- Sozial- und Kognitionspsychologie
- Besucherforschung / Evaluationsforschung / Teilhabeforschung
- Politische Bildung / Erwachsenenbildung (speziell auch antisemitismus- und rassismuskritische Bildung)
Einreichung
Erbeten wird ein Abstract von max. 500 Wörtern sowie eine kurze biografische Notiz. Bitte schicken Sie das Abstract unter dem Stichwort “Inklusiv und Ideologiekritisch?” bis 16.03.2026 per E-Mail an info[at]stiftung-ng.de.
Über die Annahme informieren wir bis 10. April 2026.