Anlässlich des 85. Jahrestags des Beginns der systematischen Massendeportationen von jüdischen Bürgerinnen und Bürgern aus Berlin versammelten sich am Bahnhof Berlin-Grunewald zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Justiz, Diplomatie und Gesellschaft zu einer zentralen Gedenkveranstaltung am Mahnmal »Gleis 17«. An diesem historischen Ort verließ am 18. Oktober 1941 der erste sogenannte »Osttransport« mit rund 1.000 jüdischen Kindern, Frauen und Männern die Hauptstadt in Richtung des Ghettos Litzmannstadt (Łódź) im besetzten Polen.
Dr. Julia Spohr, Direktorin der Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand und Mitglied der Ständigen Konferenz der NS-Gedenkorte im Berliner Raum begrüßte die rund 400 erschienen Gäste. In den Ansprachen schlug das Gedenken eine eindringliche Brücke von der Vergangenheit zur Gegenwart. Der israelische Botschafter Ron Prosor betonte, dass die Deportation keineswegs auf den Schienen begann, sondern lange zuvor in den Köpfen, durch Ausgrenzung, Sprachverrohung und das schweigende Wegsehen der Nachbarschaft. Mit Blick auf die aktuelle Situation in Deutschland hob Prosor hervor, dass die Verantwortung dieses Ortes erst erfüllt sei, wenn Jüdinnen und Juden im Land wieder frei, sicher und ohne Angst leben können. Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland begann und endete sein Grußwort mit einem Zitat des Holocaustüberlebenden Elie Wiesel: »Die Opfer zu vergessen, bedeutet, sie ein zweites Mal zu töten.« Prof. Dr. Stephan Harbarth, Präsident des Bundesverfassungsgerichts, bezeichnete den Beginn der Deportationen im Jahr 1941 als Auftakt zu einer jegliche Menschlichkeit verneinenden Massenvernichtung und mahnte vor den Gefahren von Antisemitismus, Verblendung und gesellschaftlicher Gleichgültigkeit. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner bekräftigte im Vorfeld der Veranstaltung, dass der Berliner Senat keinerlei Antisemitismus, Hass oder Gewalt gegen jüdische Menschen dulden werde.
Schülerinnen und Schüler der Peter-Joseph-Lenné-Gesamtschule, Potsdam haben die Gedenkveranstaltung am Gleis 17 aktiv mitgestaltet und eigene Beiträge eingebracht. Den musikalischen Rahmen der Zeremonie gestaltete die Cellistin Antonina Botygina.
Im Anschluss an das Kel Maleh Rachamim durch Dr. Moshe Abraham Offenberg und das Kaddisch durch Kantor Simon Zkorenblut legten die Gäste weiße Rosen am Bahnsteig nieder.

Antonina Botygina. Bild: Ständige Konferenz/Marko Priske

Besucherinnen und Besucher während der Gedenkveranstaltung. Bild: Ständige Konferenz/Marko Priske

Dr.Julia Spohr, Direktorin der Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Bild: Ständige Konferenz/Marko Priske

S. E. Ron Prosor, Botschafter des Staates Israel. Bild: Ständige Konferenz/Marko Priske

S. E. Ron Prosor, Botschafter des Staates Israel. Bild: Ständige Konferenz/Marko Priske

Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrat der Juden in Deutschland. Bild: Ständige Konferenz/Marko Priske

Dr. Andrea Riedle, Direktorin der Stiftung Topographie des Terrors; Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordenten Juden Europas; Petra Michalski; Petra Pau, Vizepräsidentin des Deuschen Bundestages a.D.; Dr. Bahar Haghanipour, Vizepräsidentin des Abgeordnetenhauses Berlin; der Regierende Bürgermeister von Berlin Kai Wegner; Dr. Julia Spohr; S.E. Ron Prosor; Abraham Lehrer; Frau Lehrer; Dr. Moshe Abraham Offenberg; Kantor Simon Zkorenblut. Bild: Ständige Konferenz/Marko Priske

Prof. Dr. Stephan Harbarth, Präsident des Bundesverfassungsgerichtes. Bild: Ständige Konferenz/Marko Priske

Dr. Moshe Abraham Offenberg, Israelitische Synagogen-Gemeinde (Adass Jisroel) zu Berlin. Ständige Konferenz/Marko Priske

Kantor Simon Zkorenblut, Jüdische Gemeinde zu Berlin. Ständige Konferenz/Marko Priske

Dr. Bahar Haghanipour, Abraham Lehrer, Kai Wegner, Prof. Dr. Stephan Harbarth, Dr. Julia Spohr und Ron Prosor. Ständige Konferenz/Marko Priske

Uwe Neumärker, Petra Michalski und Petra Pau. Ständige Konferenz/Marko Priske
